Der erste Spatenstich
Für den symbolischen ersten Spatenstich griffen Bürgermeister Jonathan Berggötz, Realschulrektorin Stephanie Martin (Realschule), die kommissarische Schulleiterin der Grund- und Werkrealschule, Stephanie Schweizer, die Vertreter der Fraktionen, Dr. Klaus Götz (Freie Wähler), Karen Roeckl (LBU) und Can Zileli (SPD), die Schülervertreter Samira Zinke, Joel Giambbanoo und Yaren Ada Tuna (alle 9. Klasse) und die Fachbereichsleiterin des Stadtbauamtes Petra Schmidtmann sowie Bärbel Gliese und Jürgen Wenzler als Vertreter des Stadtbauamtes, der Baufirmen und Planer zur Schaufel, während im Hintergrund Bagger und Lkw schon fleißig brummten.
Zu den derzeit 641 Realschülern kommen durch den Erweiterungsbau die aktuell 120 Kinder und Jugendlichen aus der heutigen Werkrealschule hinzu. Die 320 Grundschüler bleiben am bisherigen Standort in der Innenstadt. Am Salinensee entsteht dann ein Schulverbund: eine Schule mit zwei verschiedenen Schularten unter einer Leitung.
Wie Bürgermeister Jonathan Berggötz informierte, können die eingeplanten Baukosten in Höhe von 14,5 Millionen Euro voraussichtlich eingehalten werden. „Bildung ist die wichtigste Investition in unserer Gesellschaft“, machte der Bürgermeister deutlich, der gleichzeitig dem Land Baden-Württemberg und dem Bund für die Unterstützung dankte.
Die Stadt erhält für das Projekt 6,6 Millionen Euro aus der Schulbauförderung des Landes und weitere 1,6 Millionen Euro aus dem Ausgleichsstock des Landes für finanzschwache Kommunen. Aus der KfW-Förderung des Bundes kommen 235.000 Euro. Dennoch muss die Stadt am Ende beinahe sechs Millionen Euro aus eigenen Mitteln und Krediten finanzieren, was zu einer jährlichen Zins- und Tilgungsbelastung im sechsstelligen Bereich führt. Der Schulbau ist die größte städtische Baumaßnahme in diesem und im nächsten Jahr.
„Wir investieren in optimale Bedingungen – quantitativ wie qualitativ, damit junge Menschen beste Perspektiven entwickeln“, so der Bürgermeister in seiner Ansprache. Er erinnerte daran, dass im vergangenen Jahr die Erweiterung der Kindertagesstätte Stadtkäfer in Betrieb genommen wurde und stellte fest: „Wir sind top aufgestellt, wenn es um Bildung geht“.
Erst im Jahr 2014 war an der Realschule ein Erweiterungsbau in Betrieb genommen worden, doch schon zwei Jahre später meldete die Schule, dass sie so stark gewachsen ist, dass für drei Klassen kein eigenes Klassenzimmer zur Verfügung steht. Die Realschule entwickelte sich seither in Richtung Vierzügigkeit, das heißt es gibt in jeder Klassenstufe vier Parallelklassen. Künftig soll dann noch eine weitere Klasse für die Werkrealschule im Schulverbund Bad Dürrheim dazu kommen.
Bürgermeister Jonathan Berggötz erinnerte daran, dass, nachdem das Landratsamt die Baugenehmigung für den Neubau ausgestellt hatte, der Bad Dürrheimer Mineralbrunnen Bedenken äußerte, weil der Baukörper in der Wasserschutzzone II für die Mineralquellen gelegen hätte. Der Gemeinderat habe eine mögliche Gefährdung der Quellen aber für alle Zeit ausschließen wollen und den Vorschlag des Stadtbauamtes angenommen, den Baukörper um 150 Meter zu verschieben, näher an den Erweiterungsbau – „eine pragmatische und sinnvolle Lösung“, wie das Stadtoberhaupt feststellte.
Berggötz lobte das Stadtbauamt, das einige Planungs-Leistungsphasen selbst übernommen habe und damit einen sechsstelligen Betrag einsparte. „Wir schauen natürlich, dass wir sparen können, wo es geht, wollen aber nicht an Qualität einbüßen“, so der Bürgermeister.
Mit dem Neubau entsteht ein moderner Lernort, der die Anforderungen zeitgemäßer Bildung erfüllt. Geplant sind 15 Klassenzimmer, vier Fachräume für Chemie, Physik, Biologie, Informatik und AES (neue Schulküche). Ein großzügiger Eingangsbereich bildet das Herz des Gebäudes, Raum für Begegnung und schulische Veranstaltungen. Differenzierungs-, Team und Besprechungsräume schaffen gute Arbeitsbedingungen für die Lehrkräfte. Auch Sanitärräume sind vorgesehen. Flure können als zusätzliche Lernbereiche genutzt werden und tragen zu einer lebendigen, flexiblen Schulatmosphäre bei. Die reine Bauzeit beträgt eineinhalb Jahre, sodass mit der Fertigstellung im Herbst 2027 zu rechnen ist. Der Umzug der Werkrealschule an den neuen Standort ist dann für Sommer 2028 geplant.
„Ich freue mich für unsere Schüler“, sagte Rektorin Stephanie Martin, ihr sei ein Stein vom Herzen gefallen, als der Bauzaun aufgestellt wurde und Bärbel Gliese, Architektin im Stadtbauamt, mit dem roten Punkt vorbei kam. Die Anforderungen an Schule und Unterrichtsmethoden seien gewachsen, Räume für Kreativität und Lernen würden gebraucht. „Der Gemeinderat hat mit dem Neubau ein starkes Zeichen gesetzt“, lobte die Rektorin, denn Bildung sei wesentlich, gerade in Zeiten des Umbruchs.
Jürgen Wenzler vom Stadtbauamt lobte die Baufirma Steudtner und Bantle, deren Angebot unter dem Kostenvoranschlag lag und die schon bei der Schulerweiterung in Oberbaldingen sehr gute Arbeit leiste. Bauleiter Franz Eisele berichtete, dass der Untergrund erst in 1,40 Meter Tiefe tragfähig ist, weshalb eine Bodenverbesserung notwendig sei. Aber anstatt den Boden auszuheben und die Grube mit Kies zu füllen, wurde jetzt lageweise mit einer Fräse Kalk in den Boden gemischt, was zu einer hohen Tragfähigkeit führen soll.
Das zweistöckige Schulgebäude wird in einer Holzkonstruktion gebaut, lediglich die Bodenplatte ist aus Stahlbeton gefertigt, sie „schwimmt“ auf dem Unterboden. Ein wasserführender Graben, der Richtung Salinensee verläuft, muss verlegt werden, ebenso eine Trinkwasserleitung und ein Telefonkabel. Der Neubau wird mit einer Wärmepumpe beheizt, separat von den anderen Gebäuden, dieser hat Fußbodenheizung. Die Energie liefert eine Photovoltaikanlage auf dem Dach.
Der Neubau hat eine Grundfläche von 1800 Quadratmetern (einschließlich Mauern), bei zwei Stockwerken also eine Geschossfläche von 3600 Quadratmetern. Außen werden am Gebäude 900 Quadratmeter Holzfassade verbaut, innen 2000 Quadratmeter, an den bis zu 36 Zentimeter dicken Decken 300 Quadratmeter. „Somit ist haben wir eine bessere Ökobilanz als ein Gebäude aus Beton“, sagte Bauleiter Franz Eisele. Bis zum Winter 2026 will er Dach und Fenster eingebaut wissen, damit dann der Innenausbau beginnen kann.
Durch den Umzug der Hauptschüler und Werkrealschüler an den neuen Standort werden an der bisherigen Grund- und Realschule zwölf Räume frei, die aber laut der kommissarischen Schulleiterin Stephanie Schweizer für die Grundschule benötigt werden. „Wir haben keine Ausweichräume und benötigen Räume für Lernateliers und Therapieräume“, sagte sie.
Realschulrektorin Stephanie Martin kündigte an, dass im künftigen Schulverbund Realschüler und Hauptschüler zwar separate Klassen haben, aber alle drei Gebäude gemeinsam nutzen.
Text und Foto: Stadtverwaltung Bad Dürrheim
